ASTRID SCHMID | Zitronenmelisse
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Die Zitronenmelisse – neue Aspekte einer alten Klosterheilpflanze

 

In kaum einem Garten findet sie sich nicht – die Zitronenmelisse. Irgendwo ganz hinten, vielleicht in einem vergessenen Winkel, gedeiht sie uneitel im Halbschatten größerer Gewächse, hier und dort hat sie sich selbst ausgesät. Und fällt sie nicht irgendwann mit ihrem hellen Saftgrün ins Auge, so überrascht sie uns beim Zupfen der Beete mit ihrem Zitrusduft und zaubert ein entspannt-freundliches Lächeln in das Gesicht des Gärtners.

 

Der Namensursprung der Melisse findet sich im Altertum: Das griechische „Melissa“ bezeichnet zunächst die Honigbiene, aber auch die Melisse selbst, die mit ihren kleinen weißen Blüten als beliebte Bienenweide kultiviert wurde. Auch der lateinischen Benennung „Apiastrum“ liegt das Wort “Apis“ (Biene) zugrunde.

 

Die Heimat dieses Lippenblütlers liegt im östlichen Mittelmeerraum. Schon früh hatten die Klöster die Heilwirkung der Melisse erkannt. Im Jahre 1611 destillierten die Karmeliterinnen aus Melissenblättern, Lavendelzweigen und Zitronenschalen den Melissengeist, der bald sehr beliebt wurde. Vor allem das Karmeliterkloster zu Regensburg beherrschte mit seiner Spezialität lange Zeit den Markt und sicherte mit dem Ertrag die Existenz des Klosters. Der Melissengeist ist noch heute als Destillation echter Melisse (leider wird das Melissenöl nun häufig durch das billigere Lemongrassoil ersetzt) im Handel erhältlich, als sogenannter „Balsamischer Melissengeist“.

Der Ruhm des Melissengeistes als Allheilmittel ist bereits verblasst, doch hat er sich neben anderen Zubereitungen aus der Melisse einen Platz in der Naturmedizin erhalten: Im Vordergrund steht die nervenstärkende und beruhigende Wirkung der Melisse. Dem nervösen Menschen, der Reizüberflutung von außen nicht verkraftet und auch am Abend nicht zur Ruhe kommt, oft lange im Bett liegt, ohne den ersehnten Schlaf zu finden, kann durch eine Kur mit Melissentee geholfen werden. Bekannt sind auch die besänftigende und ausgleichende Wirkung der Melisse auf nervöse Herzbeschwerden und die entkrampfende, blähungsauflösende Wirkung im Magen-Darm-Trakt.

 

Melissentee ist ein sanftes Heilmittel bei der aktuell zunehmenden Zeiterscheinung der ständigen Überforderung und übermäßigen Stressbelastung. Nehmen Sie 3 Teelöffel geschnittene Melissenblätter und überbrühen sie diese mit ¼ Liter kochendem Wasser. Nachdem der Tee 10 Minuten gezogen hat, seien Sie ihn ab. Er ist ein erfrischender Genuss und entspannt. Wenn Sie davon 2 bis 3 Tassen über einige Wochen hinweg täglich trinken, werden Sie sich wohler fühlen!

 

Übrigens: Frische Melissenblätter sind ein ausgezeichnetes Gewürz für Salate, Saucen, Gemüse, Eintöpfe und Suppen. Man gibt sie kurz vor dem Servieren hinzu. Melisse gedeiht anspruchslos auch im Blumenkasten auf dem Balkon oder vor dem Fenster und ist so immer frisch zur Hand.

 

Astrid Schmid, Heilpraktikerin

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