ASTRID SCHMID | Die Tollkirsche
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Die Tollkirsche – Hexenflug und Liebeswahn

 

Der Tod tritt bei Kindern nach 2-5 Beeren, bei Erwachsenen nach dem Genuss von 15-20 Beeren ein. Diese hochgiftige Pflanze fand ich vor einigen Jahren im Waltenhofener Forst am halbschattigen Waldrand und nutzte damals die Gelegenheit von Zeit zu Zeit dorthin zu gehen, ihr Wachsen zu beobachten und mit dem Fotoapparat zu dokumentieren.

 

Beeindruckend schnell wächst sie bis 1,50 Meter heran, trägt von Juni bis August violett gelbe Blüten gleichzeitig mit unreifen und reifen Früchten am Strauch. Sehr verlockend wirken die kirschgroßen schwarz glänzenden Beeren, die tatsächlich auch angenehm süß schmecken. Doch aufgepasst! Vom Verzehr der Früchte ist entschieden abzuraten, denn in ihnen konzentriert sich das Gift Hyoscyamin am stärksten.

Das Gift erzeugt eine starke Gesichtsrötung, Pulsbeschleunigung, Pupillenerweiterung, Erregungszustände, Halluzinationen, Tobsuchtsanfälle, Krampfanfälle und beendet das Leben im Koma durch Atemlähmung.

 

Im Mittelalter wurden die Alkaloide der Tollkirsche in Hexensalben und Hexentränken angewandt, um Visionen und Liebeswahn zu erzeugen. Nicht selten nahmen diese euphorisierenden Experimente ein tödliches Ende.

 

Atropa Belladonna, der lateinische Name, weist ebenfalls auf das Lebensende hin.

 

„Atropos“ heißt in der griechischen Mythologie die Todesgöttin, die den Lebensfaden abschneidet.

Der Name Belladonna, schöne Frau, entstand aus dem Gebrauch des Inhaltsstoffs Atropin, der die Pupillen erweitert und die Augen glänzen lässt. Manche Frau im 16.Jahrhundert wollte auf dieses Schönheitsmittel trotz erheblicher Nebenwirkungen nicht verzichten!

 

In der Hand des Arztes verwandelt sich die hochgiftige Tollkirsche zu einer heilkräftigen Pflanze. Pharmazeutisch als Heilmittel aufbereitet findet sie wegen ihrer krampflösenden Eigenschaften Verwendung bei Magen- und Darmerkrankungen und bei Asthmaleiden. Auch in der Augenheilkunde hat sie Bedeutung.

 

In sehr starker Verdünnung wirkt Belladonna in der Homöopathie unterstützend bei entzündlichen Prozessen im Mund-Nasen-Rachenraum, sowie bei Fieber.

 

Meine eigenen Studien an der realen Pflanze wurden damals jäh beendet, als ein besorgter Spaziergänger die Tollkirsche entdeckte und sie dem Erdboden gleichmachte. Das war wohl geschehen aus Sorge um ahnungslose Kinder und Spaziergänger, die durch die schwarzen Beeren verführt werden könnten.

 

Astrid Schmid, Heilpraktikerin

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