ASTRID SCHMID | Die Linde
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Die Linde – Baum des Menschen

 

Auf Dorfplätzen, neben Kirchen, manchmal vor einem Bauernhof oder im Stadtpark finden sich Linden. Es gab Tanzlinden, deren Kronenwachstum so geleitet wurde, dass man Feste darin feiern konnte, oder Gerichtslinden, worunter wichtige Dorfversammlungen stattfanden und Recht (Iudicum sub Tilia) gesprochen wurde. Allen diesen Linden ist gemein, dass sie ein zentraler Anlaufpunkt sind, um den herum ein Dorf liegt, zu dem Pilger aus allen Himmelsrichtungen wandern, an dem sich Wege kreuzen oder Liebende treffen. Die Linde liegt in der Mitte, da wo bei uns das Herz schlägt. Und tatsächlich findet sich auch diese Form in ihren Blättern und in ihrer Krone wieder, die oft umgekehrt herzförmig gewachsen ist. Diese lebendige Herzensnähe spiegelt auch ihren Charakter, wie in der ersten Strophe des Volksliedes, das von Franz Schubert vertont wurde:

 

Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum
Ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum
Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort
Es zog in Freud und Leide zu ihm mich immerfort.

 

Die charakteristischen und auffälligen Blütenstände mit den Kelch und Krone tragenden blass-gelben Blüten verströmen an warmen Sommerabenden einen lieblichen Duft und vermitteln ein tiefgehendes Sommererlebnis, da die Linde als eine der letzten Baumarten bei uns um die Zeit der Sommersonnenwende, zu Johanni zu blühen beginnen. Ihre ausgeprägten Blüten sind für unsere Breiten ungewöhnlich. Daran zeigt sich ihre Gattungszugehörigkeit zu tropischen Bäumen, die allesamt einen enormen Blütenreichtum zeigen.

Das durchwärmende pulsierende Element zeigt sich auch in ihrer Heilwirkung, da sie schweißtreibend, schleim- und krampflösend wirkt. Lindenblütentee, ein Aufguss von den getrockneten Blütenständen, wurde in den letzten Jahrhunderten zum probaten Mittel gegen Erkältung und die Symptome der grippalen Infekte. Gerne wird Lindenblütentee mit dem nicht auskristallisierenden Lindenblütenhonig gesüßt, um die milde, durchwärmende Wirkung weiter zu unterstützen. Aus den „Flores Tiliae“, den getrockneten Blütenständen der Linde, lässt sich neben Glycosiden, Schleim- und Gerbstoffen auch ein ätherisches Öl isolieren, das andere ätherische Öle an Feinheit des Duftes übertrifft.

 

Das Lindenholz wird sehr gerne als Schnitzholz verwendet. Als Konstruktionsholz ist das weiche Holz nicht zu gebrauchen, sehr wohl aber für kleine Gebrauchsgegenstände wie Bleistifte oder Streichhölzer oder als Lindenkohle für Zeichenzwecke.

 

Bekannterweise kann eine Linde weit über 500 Jahre alt werden. Alte Lindengestalten erreichen oft einen enormen Stammesdurchmesser. Ihre Kronen vermitteln im Sommer den Eindruck einer luftigen Fülle. Sie sind lichtdurchlässig und geschmeidig und erzeugen unterhalb der Krone einen hellen, aber trotzdem temperierten Raum von ruhiger Bewegung, der einlädt darunter zu verweilen.

 

Astrid Schmid, Heilpraktikerin

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